Stick-knick. Eine Datenrettung mit Nagel, Wäscheklammer, Improvisation und Verpackungsmüll.

Heldengeschichten aus der PC- Werkstatt

Ich glaube nicht, dass es viele Werkstätten gibt, die solche Reparaturen durchführen, wie wir das manchmal tun. Improvisation ist der Schlüssel, glückliche Kunden der Schatz, den es zu heben gilt. Und auch gilt: Jede Reparatur ist ein Akt der Revolution gegen den Konsumzwang. Auf einige Reparaturen sind wir besonders stolz. Die Geschichten dazu lesen Sie hier.

Die Urlaubsbilder auf dem USB Stick gesichert, auf der Kamera neuen Platz geschaffen, und dann… Das Notebook mit dem Stick aufs Bett gelegt, Rucksack unachtsam darauf geworfen, der Stick geknickt, der Mensch auch. Denn der Stick rückt nicht ein einziges Bild mehr raus.

Datenrettung im Labor: Zu teuer.

Der Kostenvoranschlag vom Datenrettungslabor mit knapp 500 EUR war dem Kunden, einem Studenten, zu teuer. Denn die Rettung der Urlaubsbilder wäre genauso teuer wie der Radwander- und Campingurlaub selber.

Auf die Urlaubsbilder verzichten - oder zu scotty-PC

Die USB Buchse – abgebrochen.

Die Reparatur:

Das Problem bei solchen gewaltsamen USB-Knicks: Meist reissen nicht die Lötstellen auf, sondern – so wie hier – gleich die ganze Leiterbahn mit ab. Einfach wieder anlöten geht also nicht.

Zwei der vier Leiterbahnen sind noch da - und lassen sich reparieren.

Die dritte Leiterbahn lässt sich mit einem eingelöteten Drähtchen wieder herstellen.

Aber die vierte und letzte Lötstelle erweist sich als störrisch - die Leiterbahn ist ab und weg.

Jetzt müsste ein Drähtchen direkt von der Buchse an den Speicherchip gelötet werden. Leider mit unseren Mitteln nicht möglich, zu nah beieinander, die Beinchen des Chips. Improvisation ist nötig und möglich:

Man nehme: Einen Nagel und Verpackungsmüll.

Ein winziger Messingnagel wird an ein Drähtchen gelötet. Messing, weil Stahl nicht gelötet werden kann. Das Drähtchen wird an die USB Buchse gelötet. Soweit so gut. Es folgt Feinarbeit

Ein Stück einer Blisterverpackung wird zurechtgeschnitten, der Nagel durchgesteckt und mit einer Wäscheklammer so fixiert, dass die Nagelspitze direkt auf das richtige Beinchen am Chip drückt. Den moderaten Anpressdruck besorgt die Elastizität der Verpackung.

Nachdem der Stick über USB Kabel und gaaaaanz vorsichtig mit dem PC verbunden worden war, konnten wir die Daten auslesen. Und auf 2 Sticks sichern. Sicherheitshalber. So wie man das halt immer machen sollte.

Reparatur geglückt,
Student glücklich,
Datenrettung diesmal mit Müll und Improvisation.