OKI ML390FB – Eine Reparatur “Balkan Style…”

Heldengeschichten aus unserer Werkstatt

Ich glaube nicht, dass es viele Werkstätten gibt, die solche Reparaturen durchführen, wie wir das manchmal tun. Improvisation ist der Schlüssel, glückliche Kunden der Schatz, den es zu heben gilt. Und auch gilt: Jede Reparatur ist ein Akt der Revolution gegen den Konsumzwang. Auf einige Reparaturen sind wir besonders stolz. Die Geschichten dazu lesen Sie hier.

Ein betagter, in Ehren vergilbter Nadeldrucker  OKI Microline 390FB

Die OKI Nadeldrucker Microline 390FB waren einst einer der Standard- Nadeldrucker zum Rezeptdruck in Arztpraxen. Langlebig und robust, nicht schön anzusehen, aber so gut wie “unkaputtbar”. Mit einer Einschränkung: Der Plastikhalter, in dem der Druckkopf sitzt, ist nur aufgeklipst – wenn das Plastik spröde wird brechen die Rastnasen und der Druckkopf hat keine Verbindung mehr zur Steuerung. Jahrelang hatte OKI die Plastikteile als Ersatzteile für einen erträglichen Preis auf Lager. Jetzt nicht mehr. Produktion eingestellt. Der Kunde soll sich gefälligst einen neuen Drucker kaufen.

Dann halt ein neues Gerät?

Nicht nur, dass der neue Drucker mehrere hundert Euro kosten sollte, auch die Verarbeitungsqualität kam bei Weitem nicht an die des alten 390FB heran. Die Arztpraxis wandte sich an scotty-PC mit der Bitte, eine Reparatur wenigstens zu versuchen.

Fehleranalyse

Die Alarmlampe blinkt – Das Signal für einen Druckkopffehler.

Die Reparatur:

Zunächst haben wir einen neuen Druckkopf eingesetzt, was überhaupt keine Verbesserung brachte. Nach etwas Recherchearbeit wurde klar: Die Schwachstelle ist der Kabelanschluss zum Druckkopf. Der wird nämlich mit einer Plastikhalterung angepresst, wenn der Druck nachlässt, fehlt der Kontakt und der Druckkopf wird nicht mehr erkannt. Eine neue Halterung zu beschaffen stellte sich als unmöglich heraus.

Also doch auf den Müll? Nicht solange Hoffnung besteht...

Die Rastnase ist abgebrochen. Eine neue Halterung muss geschaffen werden.

Eine M4 Schraube mit flachem Kopf passt genau in die U-förmige Aussparung. Damit sie sich richtig gut einfügt, wird sie mit einem Lötkolben solange erhitzt, bis sie in das Material hineinschmilzt.

Mit 2- Komponenten Epoxykleber wird die Schraube endgültig am Material befestigt.

24 Stunden muß die Reparatur nun warten, bis der Kleber hart ist.

Eine Unterlegscheibe wird verbogen, um später den nötigen Druck aufzubringen

Mit einer M4 Mutter (und später einer Kontermutter, nicht im Bild) wird die Schraube vorsichtig angezogen.

Reparatur geglückt,
Kunde glücklich,
wieder ein Gerät vor dem Elektroschrott gerettet.